WIE GEHE ICH MIT EINLADUNGEN UM?

Von Grillpartys über Einschulung, Kommunion, Geburtstagen bis zu Hochzeiten lauern diverse Einladungen für Feste auf euch, die ihr bisher wahrscheinlich meistens mit eurem geliebten Partner verbracht habt.

Es muss nicht immer so laufen aber es ist damit zu rechnen, dass ihr – egal was die anderen denken – euch wahrscheinlich gerade bei solchen Anlässen sehr schmerzhaft bewusst werdet, dass ihr nun alleine seid. Das kann wie ein Schlag ins Gesicht wirken. Vielleicht hattet ihr euch gefreut, eure Mischpoke mal wieder zu treffen aber jetzt wo ihr da seid, kommt es euch wie ein kleiner Alptraum vor.

Habt ihr ein Kind verloren, kann es sehr schmerzen, den anderen dabei zuzuhören, wie sie von ihren Kindern und Enkeln erzählen, mit denen euer Kind vielleicht früher gespielt hat oder aufgewachsen ist. Fotos und Handyaufnahmen werden gezeigt, um stolz und freudig die Entwicklung des Nachwuchses untereinander zu teilen. Das ist schwer auszuhalten – ganz klar! Vermutlich kostet es euch eure ganze Kraft, es euch nicht anmerken zu lassen, wie schwer es für euch ist. Natürlich wollt ihr unter allen Umständen verhindern, in Tränen auszubrechen, denn das würde den anderen den Spaß verderben. Zu einem traurigen Mittelpunkt zu werden, ist ja auch nicht euer Ziel.

Zusätzlich bemerkt ihr vielleicht auch an den Reaktionen der anderen, dass sie sich gar nicht mehr trauen, so frei von ihrem Glück zu sprechen, wenn ihr dabei seid. Kaum setzt ihr euch irgendwo dazu, verstummen vielleicht die bis dahin fröhlichen und unbeschwerten Gespräche. Schluck!

Nicht weniger unangenehm kann es sich anfühlen, wenn alle so tun, als sei gar nichts passiert und euer geliebter Mensch hätte nie existiert. Es wird über ihn mit keinem Wort gesprochen. Vielen Trauernden tut es sehr weh, wenn das passiert. Ich kann euch nicht mal raten, es von euch aus anzusprechen, denn meistens wird euer Wunsch ignoriert, über den Verstorbenen zu reden und das tut dann noch mehr weh. Alleine Sätze wie: „Das hätte ihm/ihr auch gefallen.“ scheinen viele zu überfordern. Wahlweise folgt dann betretenes Schweigen, das Thema wird schneller gewechselt als ihr „Hoppla“ sagen könnt oder ihr steht in Sekundenbruchteilen völlig alleine da.

Und dann gibt es noch eine Nuance, die euch gefühlsmässig richtig doll auf die Füße fallen kann. Ihr fühlt euch nicht nur so als würden euch die anderen abchecken, wie stabil ihr seid, nein, sie beobachten und mustern euch tatsächlich. Zwar so unauffällig wie möglich, aber ihr bekommt es mit. Leider, denn das kann massiv verunsichernd auf euch wirken.

Mittlerweile habt ihr schon bemerkt, dass ihr immer nur eine begrenzte Zeit unter Leuten sein könnt. Die Zeitspanne ist da bei jedem unterschiedlich aber in der Regel sind zwei Stunden für die meisten Trauernden mehr als genug.

Die Sorge, wenn ihr zu oft Absagen erteilt, nicht mehr eingeladen zu werden, spielt auch eine belastende Rolle. Oder als die Einladung kam, hattet ihr gerade einen guten Moment und ihr habt freudig, vielleicht sogar ein wenig euphorisch zugesagt. Gut möglich ist es aber bei dem ganzen Auf und Ab der Gefühlswelt in der Trauerzeit, dass ihr euch dann am Tag der Feier hundsmiserabel fühlt und an eine Teilnahme an der Festivität nicht zu denken ist.

Da ist guter Rat gefragt:

  • Bekommt ihr eine Einladung fragt euch, ob ihr wirklich dort hin möchtet. Wenn nicht, sagt ohne Wenn und Aber ab.
  • Bekommt ihr eine Einladung die ihr gerne wahrnehmen würdet, erbittet euch bei der Zusage das Verständnis der Gastgeber dafür, dass ihr eventuell kurzfristig absagen werdet, weil ihr zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht sagen könnt, wie es euch bis zum betreffenden Termin geht.
  • Ein zusätzliches kleines Netz könnt ihr entweder bereits im Vorfeld oder auf der Feier einbauen, indem ihr klar macht, dass ihr nur für eine begrenzte Zeit bleiben könnt.
  • Seid ihr zu einer Feier eingeladen, die euch durch die weite Anreise dazu zwingt auch zu übernachten, dann sorgt dafür, dass ihr ein eigenes Zimmer ganz für euch alleine habt und nehmt Gelegenheiten wahr, die sich euch bieten, um sie als Auszeiten für euch zu nutzen, um wieder Kraft zu tanken. Zur Not müsst ihr eben auf ausgedehnte Spaziergänge oder Ähnliches ausweichen.

Wie könnt ihr auf unangenehme Fragen und Bemerkungen reagieren?

„Wie geht es dir?“ ist da eine ganz harte Nuss. Was soll man darauf antworten? Wie wäre es mit so ausweichend wie möglich? „Wenn euch die Antwort „gut“ im Halse stecken bleibt, dann vielleicht mit folgenden Varianten:

  • „Ich wurschtele mich so durch, bin aber voller Hoffnung, dass es irgendwann besser wird.“ Diese Antwort enthält allerdings eine Falle, denn es ist damit zu rechnen, dass sich das Gegenüber zu einer weiteren Frage hingerissen fühlt: „Wie, dir geht es immer noch schlecht? Aber das ist doch schon x Wochen her?“ Furchtbar! Also weg mit dieser Antwort oder ihr versucht es daraufhin mit der Erwiederung, die meistens für Ruhe sorgt: „Meine Trauerbegleiterin hat gesagt, dass sei völlig normal.“ Im Ernstfall empfehlt ihr mein Buch „Das erste Trauerjahr“ – da steht alles drin, was Unwissende und Ungläubige in Sachen Trauer und dem Umgang damit wissen müssen.
  • Schöner wäre es, wenn die Leute einfach nur sagen könnten: „Wie schön, dass du da bist.“ Das kommt aber leider nicht so oft vor. Eine weitere Möglichkeit auf die Frage „Wie geht es dir?“ zu reagieren, könnte sein, einfach die Aufmerksamkeit von euch abzulenken, indem ihr antwortet: „Ach lass uns doch lieber über dich reden.“ oder „Erzähl mir doch lieber von deinem Urlaub/Studium/deinem neuen Hund/Freund, etc.“

Besonders unangenehm sind die Momente, wenn sich vielleicht einige eurer Freunde zusammenrotten und euch einreden, dass es nun endlich Zeit wird, los zu lassen und sich einen neuen „Lover“ zu suchen – am besten noch über das Internet. Böse Falle, denn wenn ihr sagt, ihr seid schon bei „Elitepartner“ oder „Parship“ angemeldet, ist vielleicht Ruhe auch wenn es gar nicht stimmt aber vielleicht geht dann das Getuschel los, dass ihr euch schon so schnell jemanden Neuen sucht. Ihr seht, ihr könnt es nicht richtig machen. Hier wieder der Satz, der helfen könnte: „Meine Trauerbegleiterin rät mir davon ab, es zu erzwingen.“

Generell könnt ihr euch gerne weitere Varianten von Entgegnungen ausdenken, die mit „Meine Trauerbegleiterin hat gesagt…“, beginnen. Am besten ihr legt euch schon etwas im Vorfeld zurecht, damit ihr nicht so überrasch werdet.

Sollte es zu den gefürchteten Momenten kommen, an denen euch die Gefühle überwältigen und ihr die Tränen nicht mehr zurückhalten könnt: Immer schön den „Rescue-Spray“ von Bachblüten im Handtäschchen haben und so geschmeidig wie es geht, auf das stille Örtchen oder sonst wo hin fliehen, wo ihr wenigsten kurzzeitig nicht unter Beobachtung steht und sprühen und durchatmen könnt, bis es wieder geht. Wenn nötig, die Prozedur wiederholen.

Was uns die Trauer lehrt, ist: Wir brauchen nicht mehr so rücksichtsvoll zu sein, wie wir es gewohnt waren, denn wir müssen lernen, besser auf uns selbst zu achten und auf unsere Gefühle, Bedürfnisse und auf unsere innere Stimme zu hören, die uns schon sagen, was uns gut tut auch wenn das nicht unbedingt der allgemeine Konsens ist.

Möglicherweise kommt es aber zu keiner dieser „Schwierigkeiten“ und es wird ein ganz wundervolles Fest bei dem ihr euch zugehörig und getragen fühlt. Ich wünsche es euch von ganzem Herzen.

Veröffentlicht von trauerbegleiter

Ich bin Jahrgang 1965, in Baden-Württemberg geboren und habe mit 15 meine Mutter durch Suizid und mit 40 meinen Lebenspartner durch Krebs verloren. Vieles, was mir im Leben begegnet ist, hat mich geprägt - auch wenn ich es manchmal nicht verstanden habe. Meine Erkenntnisse und Meinungen verändern sich im Laufe meiner Entwicklung und ich bin immer wieder neugierig, welche Ereignisse mich finden und mich auf meinem Weg begleiten. So entwickelte sich aus all dem ein neuer Weg. Meine Ausbildungen Familienaufstellungen, Gewaltfreie Kommunikation, Trauerbegleitung, Trauerreden und vor allem meine Erfahrungen ermöglichen es mir, für andere Menschen in ähnlichen Situationen da zu sein. Mehr über meine Angebote, Termine und über mich finden Sie unter: www.trauerbegleiter.org

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